Gerangel um ICE-Halt in Aachen verärgert hiesige Politik. Knackpunkt bleibt der teure Bahnhofsumbau. Stadt sieht noch Chancen.

Aachen. Da haben es die Kölner Liberalen doch glatt geschafft, ihre Aachener Parteifreunde geschlossen gegen sich aufzubringen: Mit ihrem Vorstoß, einen ICE-Halt in Aachen abzulehnen, brachten sie gestern allerdings nicht nur die Aachener FDP in Wallung, sondern lieferten den politischen Gegnern gleich noch die Munition für viel Häme und Spott. Schwer getroffen durch den hiesigen Aufruhr trat die Kölner FDP schleunigst den Rückzug an und ist nun doch für einen ICE-Halt in Aachen.

Am frühen Nachmittag erklärte der Kölner FDP-Fraktionschef Ralph Sterck, den erst am Montag eingebrachten Ratsantrag zur geplanten ICE-Verbindung nach London überarbeiten zu wollen und die aus Aachener Sicht ungeheuerliche Textzeile wieder zu streichen. Sie lautete: „Ein zusätzlicher Halt in Aachen wird abgelehnt, weil die zusätzliche Fahrzeit die Verbindung im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern unattraktiv macht.“

Beraten werden sollte dieser Part am kommenden Donnerstag, jedoch wird man nun wohl nie erfahren, ob die Kölner die Aachener tatsächlich vom schnellen Zugverkehr abkoppeln wollten. Nahezu die gesamte Aachener FDP-Spitze machte gestern mobil, um die Kölner zur Räson zu bringen. Eiligst betonten die Bundestagsabgeordnete Petra Müller und die Spitzen aus Stadt und Städteregion, wie bedeutsam der ICE-Halt für die Region und die „einzige Exzellenzuniversität in NRW“ sei.

Aachens FDP-Fraktionsgeschäftsführerin Sigrid Moselage und FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg zeigten sich entsetzt, „dass unsere Anstrengungen aus Köln so konterkariert werden“. Kopfschütteln auch in den anderen Fraktionen. „Als feindlichen Angriff“ wertete SPD-Planungspolitiker Norbert Plum den Vorstoß. „Wir gehören alle zum Rheinland, da dürfen wir uns nicht auseinanderdividieren lassen“, sagte er. Die grüne Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius zeigte sich verwundert und forderte ihre Bundestagskollegin Müller auf, der Kölner FDP Nachhilfe zu geben. Und CDU-Fraktionschef Harald Baal meinte, niemand sollte über Dinge reden, „von denen man keine Ahnung hat“.

ICE hält in jedem Fall

Denn dass der ICE auf seinem Weg in Richtung London wegen technischer Umstellungen ohnehin in Aachen halten muss, ist der Kölner FDP erst gestern klar geworden. „Es wäre doch ein Treppenwitz, wenn er dann nicht die Türen öffnen dürfte“, meint Baal.

Damit er jedoch die Türen öffnen kann, sind im Aachener Hauptbahnhof umfangreiche Umbauarbeiten nötig. Wie mehrfach berichtet, sind strenge Sicherheitsvorkehrungen für die Fahrt durch den Tunnel nötig. Für Fahrgäste muss eine eigene Sicherheitszone geschaffen werden, die mit den Check-Ins in Flughäfen vergleichbar ist. Die Umbaukosten werden auf rund eine Million Euro geschätzt – und wie es aussieht, ist die Bahn nicht gewillt, die Kosten zu tragen.

Unter Hochdruck arbeiten Politik und Verwaltung nun daran, den Umbau irgendwie zu stemmen. Für die SPD erklärte der Landtagsabgeordnete Karl Schultheis gestern erneut, wie wichtig diese Investition für die Region sei. „Das ist eine strategische Entscheidung“, sagt er und bringt auch ein Engagement der städtischen Gewerbe- und Grundstücksgesellschaft ins Gespräch.

Im Wohn- und Liegenschaftsausschuss zeigte sich die Verwaltung gestern erneut „vorsichtig optimistisch“, den ICE-Halt in Aachen bis 2013 verwirklichen zu können. Unter anderem soll dies durch einen – förderfähigen – Ausbau des Hauptbahnhofs zur Burtscheider Seite hin geschehen. Gedacht ist an einen zweiten Zugang von der Kasinostraße. Die dazu nötigen Grundstücke sollen weitgehend im Besitz der Stadt sein.

Der Zeitdruck ist groß und eine klare Position der Bahn steht weiterhin aus. Aachen aber habe keine Wahl: „Wenn wir es nicht hinkriegen, haben wir ein nachhaltiges Problem“, so Schultheis.