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Ergebnisoffen

News vom 17.06.2017 in Allgemein

Damit nicht fest steht, was bereits fest steht

Albrecht Peltzer Albrecht Peltzer
Ergebnisoffen – was für ein herrliches Wort! Ein Fußballspiel zum Beispiel ist ergebnisoffen. Bis der Schiedsrichter die Partie abpfeift. Auch Lottospielen ist ergebnisoffen. Bis zur Ziehung der Zahlen am Samstagabend. Dann ist meist final klar, dass das Ergebnis eigentlich schon feststand. Wegen der verschwindend kleinen Gewinnchance. Insofern ist die städtebauliche Entwicklung rund um den Büchel auch eine Lotterie. Das Bebauungsplanverfahren, so will es uns eine ziemlich große Mehrheit im Rat weismachen, ist ergebnisoffen, obwohl ziemlich genau feststeht, was dabei herauskommt. Der Puff bleibt, wo er ist. Basta.

Es war schon eine denkwürdige Ratssitzung am Mittwoch. Der OB (fast) alleine gegen den Rest. Unterstützt von den wackeren Streitern aus dem liberalen Lager. Und von der Vertreterin der AfD. Sie wollten den Zug anhalten, um ein Nikolausquartier ohne Bordellbetriebe zu ermöglichen. Keine Chance, sagen CDU, SPD, Grüne, Piraten und Linke. Es bleibt bei der Planung inklusive Laufhaus. Und warum? Weil ein Stopp des laufenden Verfahrens die Entwicklung auf Jahre blockiert hätte. Was die Ratsmehrheit nicht riskieren möchte. Und wieder zeigt sich: Die entscheidenden Fehler sind vor vielen Jahren gemacht worden. Es gab nie ein ernsthaftes Engagement, die Bordelle zu verlagern. Übrigens auch nicht seitens des Oberbürgermeisters, dessen Initiative auch ein paar Jahre zu spät kommt. Ein Trauerspiel. Leider nicht ergebnisoffen, sondern ziemlich festgelegt.

Festgelegt hat sich die Stadt auf jeden Fall in Sachen Alemannia: Die Steuerschuld in Höhe von 1,5 Millionen Euro wird nicht erlassen. Das hört sich eigentlich selbstverständlich an. Wer lässt solch ein Sümmchen schon gerne sausen? Nun ist das Sausen eigentlich schon erledigt. Denn die Weigerung der Stadt, nicht verzichten zu wollen, ist eher symbolischer Art. Die Alemannia ist im Insolvenzverfahren – da ist nichts mehr zu holen. Der OB sagt, es gebe keine rechtliche Möglichkeit zu verzichten. Der Entschluss aber ist wohl auch ein Zeichen dafür, dass es zwischen Politik und Alemannia stimmungsmäßig – vorsichtig ausgedrückt – nicht zum Besten bestellt ist. Denn anders als in anderen Städten, in denen Traditionsvereine am Abgrund standen oder stehen, hört man aus Politik und Verwaltung wenig Aufmunterndes. Es ist halt nicht mehr schick, schwarz-gelb zu denken und zu handeln. Der Privatinitiative einiger Alemannia-Fans und -Funktionsträger, wieder mehr Sponsoren für den Tivoli-Club zu interessieren, würde man doch mehr Rückendeckung wünschen. Statt „Unser Bordell soll schöner werden“ könnte der Slogan doch lauten „Alle für die Alemannia“. Oder nicht?

Die Woche in Aachen – da sind die Giftattacken auf Spielplätzen sicher ein zentrales Thema. Die Ermittler haben noch keinerlei Hinweise darauf, wer die ätzende Substanz verstreut hat. Polizei und Staatsanwaltschaft erhöhen den Fahndungsdruck, ermittelt wird wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes. Bleibt nur zu hoffen, dass der Fall jetzt zügig aufgeklärt werden kann.

In diesem Sinne: ruhiges Wochenende!

a.peltzer@zeitungsverlag-aachen.de

Quelle: Aachener Zeitungsverlag. 17.06.2017 / Aachener Zeitung - Stadt / Seite 17 / Lokales
https://epaper.zeitungsverlag-aachen.de/2.0/article/8ffeb666e6