Artikel

Abriss des Parkhauses ist jetzt besiegelt

News vom 12.10.2019 in Allgemein

Planungsausschuss beschließt Auflösung des Pachtvertrags am Büchel zum 31. März. Nur FDP stimmt nach heftiger Debatte dagegen.

VON WOLFGANG SCHUMACHER

Aachen Das Schicksal des Parkhauses Büchel ist besiegelt. Die Schließung und der zeitnahe Abbruch des bröckelnden Betonbauwerks am Bahkauv ist am Donnerstag im Planungsausschuss bei einer Gegenstimme der FDP beschlossen worden. Es ist das letzte Wort.

Der Ausschuss unter Vorsitz von CDU-Fraktionschef Harald Baal machte Nägel mit Köpfen. Der erste Schritt ist die Kündigung des Pachtvertrages mit der Apag zum 31. März des kommenden Jahres, auch private Nutzer von Stellplätzen fliegen raus, die Verwaltung soll den Abriss für das dritte Quartal 2020 planen.

Der Punkt sollte zunächst hinter verschlossenen Türen diskutiert werden, wurde aber auf Antrag der Groko dann doch in den öffentlichen Teil gezogen. Eine gute Entscheidung, denn es wurde deutlich heftiger als üblich diskutiert. So hielt es den für die Innenstadt zuständigen CDU-Ratsherrn Ernst-Rudolf Kühn kaum auf seinem Platz.

Kühn positionierte sich gegen seine eigene Fraktion und gegen eine Kündigung des Apag-Pachtvertrags zu diesem Zeitpunkt. Ähnlich wie Wilhelm Helg (FDP) hielt Kühn daran fest, dass das Parkhaus bis zum bitteren Ende zu nutzen sei. Schließlich generiere die Apag im Quartal rund 300.000 Euro aus dem maroden Bauwerk, also könne man auch nach März 2020 noch Geld mit dem Parkhaus machen. Es reiche, die Türen kurz vor dem Eintreffen der Bagger zuzumachen, die allerdings „schnellstmöglich“ anrollen sollen.

„Ich hätte nichts gegen viele Besucher, die sich die Ausgrabungen ansehen wollen.“

CDU-Ratsfrau Gaby Breuer zu möglichen archäologischen Funden unter dem Parkhaus

Die andere Seite der Fraktion beharrte mit Sprecher Alexander Gilson auf dem vorgelegten Plan, unmittelbar nach dem Kündigungstermin für die Apag die Parkdecks zu schließen. Da müsse man Pflöcke einschlagen, sonst bewege sich am Büchel nichts, vertrat Gilson die Mehrheitsmeinung der Groko. In der Diskussion tauchte allerdings immer wieder die Angst vor einer jahrelangen Brache wie beim Bau des Aquis Plaza am Kaiserplatz auf.

Das müsse man in Kauf nehmen, erklärte Baal und stellte klar, dass der Abriss seit Jahren im Luftreinhalteplan der Stadt Aachen festgeschrieben sei. Die Aktion ist als ein Beitrag von vielen gedacht, um auch weitere Dieselfahrverbote in der City zu verhindern. Ersatzparkflächen seien bereits seit Jahren in Betrieb.

Der Angst vor einer jahrelangen Brache in bester Innenstadtlage wollen auch die Grünen etwas entgegensetzen. Sie sind auch für die Kündigung des Apag-Pachtvertrags zum 31. März, wollen dann aber aus den Flächen des Gebäudes „einen zentralen Event-Bereich“ machen, wie Sprecher Michael Rau darlegte. Es täte dem städtischen Leben gut, dort als Zwischennutzung Ausstellungen, Märkte oder Musikveranstaltungen zu planen und durchzuführen, das wäre doch „eine tolle Sache“.

Doch der Vorschlag passte nicht zu den Vorstellungen der Groko, die spontane Widerrede kam von Ratsfrau Gaby Breuer (CDU): „Ich kann das Wort Event aus dem Mund der Grünen einfach nicht mehr hören“, schimpfte sie in die Runde.

Auch Pirat Matthias Achilles war der Event-Gedanke zu viel. Die Piraten stimmten für die Schließung ohne weitere Bespielung der maroden Liegenschaft. Sorgen um eine unansehnliche Brache machen sich auch die Linken, die aber ebenfalls für eine schnelle Schließung des Parkhauses stimmten. Die Grünen unterlagen bei der Abstimmung am Ende mit ihren Event-Wünschen, stimmten im Gesamtpaket dann mit. Nur die FDP hob schließlich den Finger gegen die Beschlussvorlage.

„Dieses Ding ist anachronistisch“, freute sich SPD-Planungspolitiker Norbert Plum über den Beschluss. Er warnte als Jurist jedoch zugleich vor Ärger mit bestehenden Wege- und Nutzungsrechten auf dem Grundstück. Man müsse sich insbesondere um die Verträge mit den Privatparkern kümmern, riet Plum.

Und dann ist da noch die Sache mit den antiken Schätzen im Untergrund des Parkhauses, in dem die Archäologen reichlich Überbleibsel aus römischer Zeit vermuten. Für Gaby Breuer die reine Freude: „Ich hätte nichts gegen viele Besucher, die sich die Ausgrabungen ansehen wollen.“

Den konkreten Beschluss über das Wie und Wann des Abrisses will der Planungsausschuss in seiner nächsten Sitzung am 14. November fassen.

 

Quelle: Aachener Zeitung