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FDP Ratsfrau Sigrid Moselage zum Thema „Gendern“.

News vom 07.02.2022 in Allgemein


Welchen Stellenwert hat für Sie/Ihre Fraktion die Genderdebatte in Ihrer kommunalpolitischen Arbeit?

Die Genderdebatte muss in einem größeren Kontext gesehen werden.
Wenn nur noch über Gendersternchen berichtet wird, werden bedeutende gesellschaftspolitische Themen vernachlässigt.
Wichtig ist die Diskussion über: Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit (Thema: Gender-Gap), Altersarmut von Frauen, Übergriffe am Arbeitsplatz, Gewalt gegen FLINT-Personen, fehlende Schutzräume, Unterstützung von Karriere- und Familienplanung, gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen, Aufbrechen von verkrusteten Strukturen …
Der Fortschritt unserer Gesellschaft hängt nicht am Gendersternchen, sondern daran, dass die Allgemeinheit die oben genannten Themen nachvollziehen kann.


Wie beurteilen Sie/Ihre Fraktion die stringente Verwendung des Gender-Sternchens in allen Schriftstücken der Stadtverwaltung?
Zuerst schauen wir auf den Inhalt der Vorlagen der Stadtverwaltung, dann auf die Form. Der Duden hat sich ja auch bereits vom generischen Maskulinum verabschiedet … wobei manche neue Kreationen abenteuerlich wirken. Das sollten aber letztlich Sprachwissenschaftler*innen und der Rat für deutsche Rechtschreibung entscheiden.
Eine genderoffene Schreibweise darf nicht zu kaum noch lesbaren Wort- und Satzkonstruktionen führen.
Dies ist der Verwaltung bisher gelungen.


Welche Form der Genderisierung im schriftlichen bzw. mündlichen Ausdruck favorisieren Sie? Gibt es darüber eine Diskussion oder einen Beschluss innerhalb Ihrer Fraktion?
Wir versuchen immer, Personen direkt anzusprechen. Die aktuelle öffentliche Diskussion sehen wir auch als Chance darüber nachzudenken, warum Geschlecht immer noch eine so zentrale Kategorie menschlicher Wahrnehmungen ist.
Sprache ist ein machtvolles Instrument. Sie stellt nicht nur dar, sondern sie formt auch die Wirklichkeit und hat Einfluss auf unser Handeln.
Deshalb hat sich unsere Fraktion mit den verschiedenen Vorschlägen befasst. Wichtig ist uns, an erster Stelle sprachlich respektvoll zu handeln und als liberale Partei diskriminierungsfrei zu agieren.


Halten Sie die Debatte um Genderisierung in der Sprache für a) angemessen, b) übertrieben oder c) noch nicht ausgeprägt genug?
Ich halte die Debatte für zu einseitig.
Momentan überlagert die Diskussion über die Form die notwendigere über den Inhalt (siehe Antwort 1)!

 

 

Quelle: AZ/AN 07.02.2022